Das nachfolgende Interview wurde von Bianca Geurden anlässlich ihrer Facharbeit (2009/2010) mit dem Titel "Von der Idee zum Buch" geführt. Dafür hat Bianca drei Autoren ausgewählt, ihnen Fragen über das Schreiben und das Entstehen eines Buches zu stellen. Neben mir wurden auch Michael Gick und Bernd Rümmelein von der Abiturientin befragt.
Fettgedruckte Textstellen: Bianca Geurden
Kursive Textstellen: Melanie Vogltanz
Wann kam Ihnen die Idee zu Ihrem Buch?
Wurden Sie von etwas für die Idee des Buches inspiriert?
Die Idee zu meinem ersten Buch, das ich abschloss, kam mir im Alter von elf Jahren. Dabei plante ich nicht tatsächlich, einen Roman zu schreiben, vielmehr wollte ich einen Traum notieren, der mir interessant erschien. Ich weiß nicht mehr, warum, doch irgendwie fand ich kein Ende bei der Überarbeitung dieser Aufzeichnungen, ich besserte Szenen nach, schliff und feilte, und irgendwann war aus der Notiz ein Roman geworden. Dieser Traum diente mir auch als Inspiration. Mittlerweile wirken meist einzelne lose Ideen oder einzelne Themen als Anstöße zu neuen Romanen, das »Drumherum«, also die eigentliche Geschichte, entwickelt sich dann in weiterer Folge.
Wann kam der Titel Ihres Buches zu Stande? Ist Ihnen die Wahl des Titels schwer gefallen?
Die Wahl des Titels ist für mich persönlich immer das Schwerste an der Arbeit an einem Roman. Nur bei meinem ersten Buch stand der Titel schon von Beginn an fest, man könnte sogar sagen, er existierte noch vor der eigentlichen Geschichte. Bei allen späteren Projekten musste ich mir lange das Hirn zermatern, manchmal entscheide ich mich erst bei Abschluss der Arbeit für einen endgültigen Titel. Bei meinem aktuellen Projekt habe ich drei Dateien in drei verschiedenen Stadien, die alle drei eine andere Überschrift tragen. Ich hatte allerdings auch bereits die Situation, dass ein von mir gewählter Titel vom Verlag aus Marketinggründen abgeändert wurde. Hinzu kommt, dass sich der Titel eines Romans nicht mit einem bereits veröffentlichten Roman überschneiden sollte – die Wahl des Titels ist also (leider) nicht immer vom Autor allein abhängig.
Schreiben Sie „einfach drauf los“ oder planen Sie detailliert Szene für Szene, Kapitel für Kapitel? Oder strukturieren Sie die Planung ihres Buches doch anders?
Ich persönlich bevorzuge es, der Geschichte selbst die Zügel in die Hand zu geben. Bevor ich mit der Arbeit an einem Roman beginne, lege ich mir meist einen Anfang, ein (mögliches) Ende und ein oder zwei Hauptcharaktere fest, sozusagen das »Grundgerüst«, alles weitere entwickelt sich von ganz allein. Das macht die Geschichte auch realistischer und lebendiger – Charaktere, die sich im Laufe der Handlung entwickeln, sind glaubwürdiger als solche, die einem vorgefassten Schema folgen. Dabei sieht man sich schon mal als Autor überrascht über einen Wendepunkt in der eigenen Geschichte. Natürlich ist diese Art der Arbeit risikoreicher als jene, bei der man Szene für Szene voraus plant – in jedem neuen Kapitel lauert die Gefahr, sich »selbst gegen die Wand zu schreiben«, man steht vor einem Problem, das nicht lösbar ist und stellt die Arbeit ein. Auch die Nachkorrektur ist zeitaufwendiger; man muss Szenen einfügen, abändern oder entfernen und muss allgemein sehr sorgfältig darauf achten, sich nicht zu verfransen. Wer diese zusätzlichen Gefahren und auch Arbeiten vermeiden will, ist wohl besser damit beraten, vorab ein Konzept zu verfassen. Für mich persönlich wäre eine geplante Geschichte allerdings zu dünn – und auch weitaus weniger interessant zu schreiben.
Mussten Sie oft recherchieren – wenn ja, wie gestaltete sich diese Recherche? (Internet, Freunde/Bekannte, Archive …)
Bislang gab es drei Romane, bei denen ich sehr intensiv recherchieren musste, da sie historischen Bezug besaßen. Für diesen Zweck benutzte ich zwei Quellen: Bibliothek und Internet. Beim Recherchieren gehe ich so vor, dass ich grundsätzlich alles notiere, von dem ich denke, dass es im Entferntesten mit meiner Thematik zu tun hat. Das ist nicht nur vorausschauend, sondern oft auch inspirierend. Für meine zeitgenössischen Romane recherchiere ich sehr wenig, was vor allem daran liegt, dass ich, obgleich ich mir Mühe gebe, meine Geschichten authentisch zu gestalten, Unterhaltungsliteratur schreibe – und jede Welt, die auf dem Papier existiert, ist in jedem Fall fiktiv, ganz gleich, wie nahe sie an der Realität liegen mag. Daher nehme ich mir die Freiheit einiger Ungenauigkeiten (die oft auch nötig sind, um den Fluss der eigenen Geschichte nicht zu blockieren).
Glauben Sie, dass man Schreiben „lernen“ kann oder dass es doch eher eine Art Talent ist?
Das ist eine Frage, die sich nicht klar beantworten lässt. Ich denke, jeder kann den korrekten Gebrauch der deutschen (oder jeder anderen) Sprache erlenen: die richtige Grammatik und Rechtschreibung, einige Stilmittel … Einen Text zu schreiben, der im Lesen nicht stocken macht – Ja, das ist erlernbar.
Ob ich glaube, dass man jene kreative Ader, die man als Schriftsteller so dringend benötigt, antrainieren kann, durch Übung oder Lehre? Das denke ich nicht. Der zündende Funke, der eine Geschichte zum Leben erweckt – der jedes »Kunstwerk« zum Leben erweckt – ist nichts, das man sich gewaltsam aneigenen kann. Das gilt nicht für Schriftsteller allein. Es gibt viele Menschen, die nicht schreiben können, aber großartige Geschichten im Kopf haben. Und es gibt Menschen, deren Sprache gestochen scharf ist, die jedoch über keinerlei Fantasie verfügen.
In Summe sind dies Dinge, die man nicht trennen kann – sowohl Handwerk als auch Talent sind bedeutend. Ohne Talent wird man als Schriftsteller mit seiner Arbeit keinen Hund hinter dem Ofen hervorlocken, doch wer sich nicht um seinen Stil bemüht, kann mit seinen Geschichten schwer begeistern, weil er sie nicht richtig transportieren kann.
Was halten Sie von Ratgebern wie „Wie schreibe ich einen Bestseller“? Haben Sie einige Ratgeber bereits gelesen, bzw. zur Hilfe genommen?
Von solchen Ratgebern halte ich nichts. Weder habe ich je ein solches Buch gelesen noch werde ich es je tun. Es gibt kein allgemeingültiges »Rezept«, um einen Roman zu schreiben, das halte ich für Schwachsinn. Was einen Roman ausmacht, ist sein Ideenreichtum, seine Individualität – es sind neue Ideen, die einen guten Schriftsteller auszeichnen. Die Annahme, dass ein Buch wie ein Kuchen funktioniert, der nur die richtige Anzahl an Eiern braucht, um zu schmecken, ist seit dreihundert Jahren veraltet und überholt.
Anders sehe ich den Austausch mit anderen Schriftstellern über Stilmittel etc. Das Gespräch mit Kollegen ist bedeutend für die Arbeit und trägt zur Entwicklung des eigenen Stils bei. Solche Beratungen allerdings funktionieren nur, solange man sich aktiv miteinander auseinandersetzt, ein lebendiger Austausch, der sich am Material direkt orientiert, nicht an festgelegten Regeln, die allgemeingültig sein sollen und es nicht sein können.
Haben Sie bestimmte Rituale während des Schreibens?
Musik und Kerzen. Vor allem die Kerzen brauche ich, die Musik ist nur zu Beginn wichtig, nach der ersten Stunde höre ich sie ohnehin nicht mehr, da ich komplett in der Arbeit versinke. Ein »Ritual« in diesem Sinne habe ich auch: die erste Fassung jedes meiner Romane wird daheim ausgedruckt, Seite für Seite, und anschließend handgebunden. Auf diese Weise schließe ich mit meinem Projekt ab, das mich ja in den meisten Fällen monatelang begleitet hat und von dem ich mich oft nur schwer trennen kann.
Nehmen Sie für Ihre Charaktere zu Weilen Züge realer Personen?
Ja – ich lasse mich oft selbst in meinen Geschichten auftreten. Das hat den Grund, dass ich die Erfahrung gemacht habe, dass die Reaktionen von Charakteren, die mich oder zumindest einige meiner Züge zum Vorbild haben, plastischer erscheinen; sie handeln menschlicher und realistischer. Ein Autor schreibt dann realistisch, wenn er über etwas schreibt, was er kennt. Um ein praktisches Beispiel zu geben: ein Großteil der Protagonisten in Stephen-King-Büchern sind Schriftsteller. Mir persönlich gefallen diese Geschichten weitaus besser als jene, in denen irgendwelche anderen Personen agieren, diese sind meist weitaus weniger ausgereift und etwas platter als die »Stephen King-Abbilder«.
Andere Personen aus meiner Umgebung habe ich bislang nicht verwendet, das hatte für mich bislang keinen Reiz und war auch nicht notwendig.
Wie aufwendig gestaltete sich Ihr eigenes Korrekturlesen, ehe Sie Ihr Manuskript einem Verlag überreichten? (Haben Sie viel gestrichen; ausgebessert? …)
Das Korrekturlesen ist in meinem Fall immer eine zeitaufwendige Aufgabe. Da ich die Geschichten einfach laufen lasse und nicht vorausplane, werden oftmals lose Fäden bis zum Ende nicht verknüpft, diese muss ich dann notgedrungen ziehen. Hinzu kommt, dass ich bemüht bin, so viel Füllstoff wie möglich zu streichen – meine Hauptaufgabe beim Korrekturlesen ist es, die gesamte Geschichte zu raffen. Die Korrektur von Flüchtigkeitsfehlern, die zum Beispiel die Rechtschreibung betreffen, ist eher Nebensache, da ich auch während des Schreibens oft genug die Kapitel nochmals durchgehe und selten etwas bis zum Schluss übersehe.
Die größte Änderung bislang wurde vom Verlag angeordnet: ein Charakter, der in der »Ur-Fassung« der Ehemann der Protagonistin gewesen war, sollte zu deren Bruder umgeschrieben werden. Bei dieser Aufgabe bin ich mehr als einmal verzweifelt.
Was ist für Sie ein perfekter Schreibstil?
»Perfekt« ist ein Wort, das ich mit Vorsicht behandle. Ich glaube nicht, dass es so etwas wie das perfekte Buch oder eben den perfekten Schreibstil gibt. Es gibt höchstens Faustregeln, doch nicht einmal die müssen in einer Kunstform, wie Literatur eine ist, allgemeingültig sein.
Ich persönlich lege Wert darauf, dass die Sprache auch auf hohem Niveau für den Leser verständlich sein sollte. Meines Erachtens erliegen viele Autoren dem Irrtum, Texte zu verfassen, denen kein Leser folgen kann (was schnell geschehen ist, da selbst einfache Sätze von verschiedenen Lesern verschieden aufgefasst werden), macht sie zu literarischen Genies. Die Feinheit des Stils liegt jedoch sicher nicht darin, so zu schreiben, dass man Germanistik studiert haben muss, um die Aussage hinter den Sätzen zu begreifen. Ein guter Stil beinhaltet in meinen Augen eine glasklare, fein geschliffene Sprache, an den Zusammenhang angepasst. Wenn der Stil eines Textes dessen Botschaft ideal transportiert, ist er gut.
Gab es Pausen in der Entstehungszeit Ihres Buches/ während des Schreibens?
Das ist unterschiedlich. Bei meinem ersten Roman gab es lange Pausen, erst bei Abschluss des Projekts habe ich täglich und sehr intensiv gearbeitet. Bei anderen Projekten wiederum war die Arbeit sehr regelmäßig und gleichmäßig verteilt, was sich sehr positiv auf das Ergebnis ausgewirkt hat. Augenblicklich liegen meine Arbeiten eher brach, da die Schule mich sehr in Anspruch nimmt (ich bin auch im letzten Schuljahr). Wie regelmäßig man schreibt, kann man sich leider nicht immer aussuchen – hätte ich die Wahl, würde ich wohl täglich an meinen Projekten arbeiten, denn eine konstante Arbeit ist wichtig, um nicht den Überblick über das Geschriebene zu verlieren.
Ist Ihre Geschichte letztlich anders verlaufen als geplant? Gab es Abweichungen von ihrer Vorstellung?
Wie bereits erwähnt, entwickeln sich meine Geschichten grundsätzlich unvorhergesehen – ich wäre enttäuscht, würden sie sich brav in die von mir zur Orientierung ausgelegten Spuren fügen. Ein Buch zu schreiben ist eine äußerst interessante Arbeit, denn man weiß letzten Endes nie, was einen erwartet.
In einem meiner Romane beispielsweise stand ich plötzlich vor der Situation, keinen konkreten Abschluss zu finden, obwohl die Handlung an sich bereits abgeschlossen war. Da ergriff einer meiner Charaktere die Iniziative und zündete eine Atombombe. Das kam auch für mich – so seltsam es klingen mag – überraschend, passte jedoch so gut ins Bild, dass ich nicht wiederstehen konnte, diesen Bruch zu wagen.
Wie lange betrug die Zeit, an der Sie an Ihrem Buch schrieben? Schrieben Sie jeden Tag, wenn ja wie lange jeden Tag? …
An meinem ersten Roman schrieb ich etwa zwei Jahre. Anfänglich waren meine Arbeiten an dem Buch sehr unregelmäßig – es sollte ja eigentlich kein Buch werden – gegen Ende schrieb ich täglich mindestens drei und höchstens zwölf Seiten. Drei Seiten entsprechen etwa einem gemütlichen Abend bei Tee und Kerzenlicht, vielleicht zwei Stunden, höchstens drei. Zwölf Seiten sind ein Tag, der um neun vor dem Computer beginnt und erst gegen zwei Uhr morgens endet. An solchen Tagen unterbrach ich die Arbeit nur, um zu essen oder zu trinken. Man kann hierbei durchaus von einer Art Besessenheit sprechen – vor allem gegen Ende kann der Sog einer Geschichte den Verfasser derart mitreißen, dass er alles um sich herum vergisst. Ich habe das bereits mehrmals erlebt.
Beziehen Sie Ihre Erfahrungen, Geschehnisse aus der Realität etc. oft in Ihrem Buch ein?
Das tue ich ganz automatisch. Was ich schreibe, wird direkt von meinen Erlebnissen, meinen Gefühlen, meinen Stimmungen beeinflusst. Es kann jedoch auch vorkommen, dass ich bewusst eine emotional sehr starke Situation – natürlich stark abgeändert – literarisch aufarbeite und verändere, um eine authentische Stimmung zu erzeugen. Als Schriftsteller versucht man schließlich immer in gewisser Weise, der Realität so nahe wie möglich zu kommen. Das ist nur dann möglich, wenn man sich das eine oder andere Element aus der Realität ausleiht.
Haben Sie Skizzen, Karten, Bilder von Charakteren etc. angefertigt?
Ja. Vor allem für meinen ersten Roman habe ich sehr viel Material angesammelt – Bilder, Zeichnungen, Zeitübersichten usw. Je mehr Zusatzmaterial man um die Geschichte herum ansammelt, desto mehr Konsistenz nimmt sie an. Bei einem meiner letzten Bücher war es sogar unerlässlich, eine Skizze anzufertigen – die Szene spielt in einem Bunker, der sich unter Wasser befindet. Während des Schreibens musste ich abbrechen, weil ich mich ernsthaft fragte, ob das, was ich mir da zusammenfantasiert hatte, nach gewöhnlichen Naturgesetzen überhaupt möglich war. Das Naheliegendste war, sich Stift und Papier zu schnappen und eine ungelenke Lageskizze zu kritzeln. Das hat Klarheit in die Sache gebracht.
Gab es Phasen, in denen Sie keine Lust mehr hatten, an Ihrem Buch weiter zu schreiben?
Auch das gab es. Bei dem letzten Roman, an dem ich gearbeitet habe, habe ich beinahe stetig gekämpft, einfach alles hinzuschmeißen und etwas anderes zu beginnen. Das lag zum einen daran, dass ich sehr viel Zeit für die Recherche aufwenden musste, und zum anderen war ich schlicht unglücklich mit meinen Charakteren. Im Nachhinein bin ich etwas schockiert darüber, dass ich all jene Charaktere, die mir auf den Geist gingen, einen nach dem anderen einfach den Garaus gemacht habe. Das ist ja das Schöne am Schriftstellerdasein – man kann unbequeme Personen ganz einfach sterben lassen und baut damit sogar noch Spannung auf. Ich habe das Buch dann doch beendet, doch die Korrektur steht mir noch bevor, und ich zittere schon innerlich etwas vor den vielen Durchhängern, die ich nun nachträglich kaschieren muss.
Schreiben Sie an mehreren Dingen gleichzeitig? Wenn ja, auch während der Zeit, in der Sie Ihr Buch verfassten?
Grundsätzlich versuche ich es zu vermeiden, mehrere Projekte parallel zu bearbeiten, doch manchmal hat man keine andere Wahl, wenn die Muse küsst. Es ist durchaus vorgekommen, dass ich während der Arbeit an einem Roman zwischendurch eine zehnseitige Kurzgeschichte niedergeschrieben habe, und wenn nur, um einen dringenden Gedankengang auszuformulieren. Zwar kann man sich gewisse Ideen notieren, doch manchmal ist es tatsächlich so, dass man bereits genaue Formulierungen, Szenenbilder, Dialoge vor Augen hat, die sich auf diese Weise nicht in Stichworten festhalten lassen, und dann muss man die Gelegenheit beim Schopfe packen. Leider wirken sich solche kreaitiven Ausbrüche schlecht auf den in Arbeit befindlichen Roman aus – plötzlich ist man auf gänzlich andere Charaktere, vielleicht sogar einen anderen Stil eingestellt, man muss sich wieder einlesen, einige Seiten schreiben, die meist sehr unsicher wirken und sich vom Rest des Romans abheben.
Mehrere Kurzgeschichten nebeneinander schreibe ich grundsätzlich nicht, vor allem, da ich meist nur wenige Tage brauche, um eine Kurzgeschichte abzuschließen. Hier besteht die Gefahr nämlich darin, dass man zu viele Anfänge macht und nichts bis zum Ende durchführt, und Fragmente allein sind weder für den Leser noch für den Autor ein befriedigendes Ergebnis.
Gibt es eine Art „Plan“, nach dem Sie Ihre Charaktere gestalten?
(Zum Beispiel: Eine Person muss besondere Merkmale haben, mindestens fünf Personen, einen Bösen etc.)
Wie bereits erwähnt, plane ich allgemein sehr wenig. Ich denke, jeder Autor macht sich vor dem Schreiben intensive Gedanken über seine Charkatere und deren Eigenschaften, mit den Personen steht und fällt einfach alles. Doch wie diese Eigenschaften aussehen, entscheide ich immer individuell, von der Romanthematik abhängig. Wichtig ist, dass sich die Hauptcharaktere der verschiedenen Romane voneinander unterscheiden – ich empfände es als schrecklich langweilig, immer einen Protagonisten mit denselben Eigenschaften oder auch nur demselben Geschlecht zu haben, der immer gleich reagiert und keine Überraschungen für mich mehr bereithält. Bei mir wechseln sich – eigentlich mehr zufällig als wirklich bewusst – immer männliche mit weiblichen Protagonisten ab, da das Geschlecht bereits einen vollkommen anderen Storyverlauf vorgibt.
Was ist Ihrer Meinung nach das Ausschlaggebende für den Erfolg eines Manuskriptes?
Authenzität – der Leser muss sich in dem Geschriebenen wiedererkennen können. Aber auch Spannung ist von Bedeutung, denn Lesen ist in vielen Fällen ein altbewährtes Mittel, dem grauen, öden Alltag zu entgehen. Ein Manuskript, das sowohl Authenzität als auch Spannung verbindet, ist in meinen Augen gut.
Achten Sie beim Schreiben auf besondere Dinge? (Z.B.: Verwendung nicht zu vieler Adjektive, Wechsel von langen zu kurzen Sätzen etc.)
Da ich früher sehr zu »Monstersätzen« geneigt habe – unglaublich verschachtelte Satzkonstruktionen, bei denen niemand im Grunde mehr wusste, was sie eigentlich aussagen wollten – achte ich mittlerweile sehr pedantisch darauf, mich nicht in Nebenbemerkungen zu verlieren. Ich will nicht unbedingt sagen, dass ich auf kurze Sätze achte – das ist abhängig von der Wirkung, die ich mit einem Satz erzielen will. Ein Satz, der nur aus drei Worten besteht, kann wie eine Peitsche durch den Kopf des Lesers zucken und große Effekte erzielen. Aber permanent seine Sprache zu kastrieren, das halte ich für unklug. Was die Adjektive betrifft, so bekenne ich mich schuldig, ich bin ein Adjektiv-Fetischist. Je mehr Adjektive ich verwenden kann, desto glücklicher macht mich das Schreiben. Dass das stilistisch nicht immer klug ist, ist mir leider nur zu bewusst. Bislang ist es mir noch nicht vollkommen gelungen, den goldenen Mittelweg zu finden, was die sparsame Verwendung von Adjektiven angeht. Als Autor scheinen einem ja manchmal Wörter überlebenswichtig, die der Leser kaum wahrnimmt.
Kam Ihnen die Idee zum Buch spontan oder suchten Sie gezielt nach einer Idee, um ein Buch zu verfassen? Anders: Was war zuerst da: Die Idee für Ihr Buches oder die Idee, ein Buch überhaupt erst zu schreiben?
Bei meinem ersten Buch kam zuerst die Idee, ein Buch darüber zu schreiben wäre mir bewusst gar nicht in den Sinn gekommen. Bei allen späteren Romanen habe ich nach Ideen gesucht bzw. sie sind mir zugeflogen. Tatsächlich habe ich viel zu viele Ideen für Romane, als dass ich sie alle innerhalb eines einzigen Lebens umsetzen könnte.
Schreiben Sie immer Prolog und Epilog?
Nein, das ist von Fall zu Fall verschieden. Manchmal ist eine Einleitung notwendig, dann ist ein Prolog unerlässlich. Und manchmal will/muss man in eine Geschichte quereinsteigen. Ich schreibe keinen Prolog, nur um einen Prolog in meinem Buch zu haben, sondern, weil ich ihn für die Handlung benötige, ebenso verhält es sich mit dem Epilog. |